In diesem Fall behaupte ich: Hier findet keine Inklusion statt. Inklusion heißt, dass es keine „Normalität“ mehr gibt, von der manche abweichen und deshalb besonders behandelt werden. Inklusion bedeutet: Alle haben individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten, und es wird ein Weg gefunden, diese in einem respektvollen Zusammenleben und -wirken in Einklang zu bringen.
In der beschriebenen Situation geschieht eben dies aber nicht. Das Projekt ohne besonderen Namen steht für die „Normalität“ – deshalb braucht es auch keinen besonderen Namen. Menschen mit Behinderung kommen hier nicht vor. Für sie wurde ein Sonderraum geschaffen, das „Inklusionsprojekt“. Natürlich spielen dort auch Menschen ohne Behinderung mit, aber das ist nicht relevant. Relevant ist der Ausschluss der Menschen mit Behinderung aus dem nicht benannten Projekt. Es findet hier – um es auf den Punkt zu bringen – das Gegenteil von Inklusion statt, nämlich Ausgrenzung.
Und lass uns noch einen Schritt weiterdenken: Unsere Gesellschaft erhält systematisch die Normalität eines Alltags voller Barrieren und Ableismus aufrecht. Ich behaupte, dass in einer Gesellschaft, die das tut, kein Projekt inklusiv sein kann. Denn mit jedem dieser Projekte werden von der barrierevollen und ableistischen Normalität getrennte Sonderräume geschaffen. Damit sage ich übrigens nicht unbedingt, dass wir keines solcher Projekte aktuell brauchen.
Zu Ende gedacht heißt das aber eigentlich: Der Begriff Inklusion löst sich selbst auf. Denn in einer nicht-inklusiven Gesellschaft gibt es keine Inklusion, weil damit immer von der Normalität getrennte Sonderräume gemeint sein müssen. Wird eine Gesellschaft jedoch wahrhaft inklusiv, so wird dies die neue Normalität und man bräuchte den Begriff gar nicht mehr, weil man mit ihm nichts mehr unterscheiden könnte.
Wir sollten uns also auf den Weg machen und darüber nachdenken, wovon wir eigentlich sprechen wollen und was das inhaltlich für unsere politische Arbeit und unser Ziel bedeutet. Mehr bald hier.